Der Geist, Vom Lebensdurst beflügelt, Schwingt sich auf zum kühnen Flug […] Und es hallte das Weltall Vom freudigen Rufe Ich bin !
Diese Verse sind dem Anfang und Ende des 370(!) Zeilen umfassenden Gedichtes „Le Poème de l’Extase“ von Alexander Skrjabin, welches er 1904 zu schreiben begann und dann 1906 selbst publizierte, entnommen. Genauso lautet sein großes Orchesterwerk, entstanden 1905 bis 1908, und so wollte der Komponist zunächst das Gedicht auch der Partitur beifügen, verzichtete aber später doch darauf, um die Autonomie seiner Musik zu wahren.

Der durchdringende Gedanke des einsätzigen Werkes ist wohl der sehnsüchtigste Wunsch. Zu Anfang vorgestellt im Thema der Flöte, zieht er sich durch das ganze Werk zum finalen „Wahrwerden“, hier maßgeblich das Thema der Trompete, das „Ich - Motiv“ oder „sich selbst verwirklichend und Selbst - Bewusstsein“ erlangend, salopp gesagt „zum Superman“ geworden (vermeintlich), wie unser Chefdirigent Michael Francis am gestrigen ersten Probentag dargelegt hat. Das Stück ist nämlich in unserem Konzertprogramm unseres zweiten Konzerts der gerade begonnenen Spielzeit 2026/27, neben Stravinskys Ballettmusik „Petruschka“ und Prokofievs 1.Klavierkonzert mit Joseph Moog als Solist, enthalten. Zur „Ouvertüre“ gibt es Ives, The Unanswered Question:
Beim Hören des Stückes von Skrjabin erhält man insgesamt, obwohl unterbrochen durch Temporückungen und fein, bzw. durchsichtiger instrumentierten Passagen, den Eindruck eines Gesamt-Crescendos, welches am Ende der Coda durch einen breiten Orgelpunkt (C-Dur = majestätisch, strahlend, Selbst-Bewusst!) der Blechbläser und wieder der Trompete zur Schluss“Orgie“ des Klangrausches wird. Was so nebulös wie noch in der Traumwelt des Schlafes - übereinandergelagerte Motivik, vielschichtige Bewusstseinsebenen- beginnt, endet umso klarer (und lauter). Skrjabins Werk wurde zunächst in New York mit recht wenig Resonanz uraufgeführt und dann ein Jahr später auch in Russland erstmals gespielt, wo es überwiegend positiv besprochen, als irritierend neu, gedanklich kühn und in der Partitur komplex, aber teils sogar als obszön bezeichnet wurde, auch wegen der sinnlichen Spielanweisungen wie „sehr duftend“, „lustvoll und mehr und mehr ekstatisch“ oder „fast im Delirium“.
Zugegeben, das war gestern gleich erst mal wie „Steak zum Frühstück“ für mich: nein, nicht unbedingt nur wegen Skrjabin oder weil unser Probenbeginn immer schon um 9:30Uhr ist, sondern weil das tatsächlich mein erster „Dienst-Tag“ dieser Saison war, denn bei den letzten beiden Konzerten, den ersten überhaupt nach der Sommerpause, war ich noch gar nicht besetzt, wie Ihnen, liebes Publikum, vielleicht letzten Sonntag aufgefallen ist. Jedenfalls bin ich auch deshalb total froh, dass wir für dieses große und großartige Programm, zu welchem wir Sie sehr herzlich am Freitag Abend um 19:30Uhr im Pfalzbau Ludwigshafen begrüßen, insgesamt vier Probentage Zeit haben: Ja! Extase muss auch geübt, koordiniert und dann besonders die physische Kondition antrainiert werden.😉
Ich bin gespannt, welche Wirkung die berauschenden Klänge auf Sie haben und teile hier gerne den Link direkt zur Konzertkasse:
Zunächst wollte ich gerne über unseren Konzertfreitag übermorgen berichten, aber es geht weiter „in den Vollen“, daher noch eine Kurzzusammenfassung der folgenden Woche:
Am Sonntag den 13. September laden wir wieder zu unserem „Tag der offenen Tür“ ein, mit einem vielfältigen Programm, beginnend morgens um 11Uhr in unserem Saal der Philharmonie und einer öffentlichen Orchesterprobe, bei der Sie uns buchstäblich auf die Pelle rücken dürfen und sollen, - die Zuhörerstühle stehen auch im Orchester bereit. Darauf folgt das Mitmachorchester mit Dvoraks 9. Sinfonie, zu der wir alle Instrumentalist*innen herzlich willkommen heißen. (Keine Panik, die jeweiligen Notenstimmen gibt es in den Ausführungen leicht, mittel und original.) Außerdem können Sie wie immer verschiedenste Ensembles und Stilrichtungen über den ganzen Tag hören, von Kammermusik ab 14Uhr über Salonensemble zu Kaffee und Kuchen, auch (Blech)Blasmusik bis unsere „hauseigene“ Bigband als kröhnenden Abschluss am späten Nachmittag den Tag beschließt und verhungern muss bei uns natürlich auch niemand! 🥨🌭🍰🍪🍺☕️
Am Freitag den 18. September folgt schon das nächste Highlight (oder Nachtlied), nämlich Mahlers 7. Sinfonie und vorweg das Vorspiel zur Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner.
Da Gustav Mahlers Werk auch ziemlich groß angelegt, vielschichtig und einfach grandios ist, lege ich Ihnen aber noch sehr ans Herz, wenn Sie Zeit finden, am Donnerstag zuvor, den 17. September, zu unserer öffentlichen Generalprobe in der Philharmonie mit quasi „Moderations-Navigation“ durch die Partitur durch unseren Intendanten Michael Gassmann, zu kommen.
Ich freue mich sehr auf Sie, bis bald,
Ihre Rut Bantay



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