Ganze halbe Sachen…
- Rut Bantay
- 11. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Juli
Gestern sind wir mit dem Orchester nach Toblach (Dobbiaco) angereist, um dort heute die Gustav Mahler Musikwochen 2026 mit seiner 7. Sinfonie und Richard Wagners Meistersinger Ouvertüre vorneweg zu eröffnen, welche Mahler selbst programmatisch zu Beginn jeder Aufführung seiner Siebten auswählte.
Hier am Toblacher See in seinem Sommer-Komponierhäuschen, entstanden einige von Gustav Mahlers Werke, wie zBsp. seine 9te Sinfonie und das Lied von der Erde.

Jedenfalls, die allermeisten Kollegen wurden mit Bussen unserer bewährten Speyerer Firma, die uns sonst in ganz Rheinland-Pfalz chauffiert, hergefahren; ich bin dagegen mit meiner Mutter „im Gepäck“ per Zug angereist, denn ihr sehnlichster Wunsch war, einmal die Drei Zinnen zu sehen und da dachte ich, verbinde ich das Notwendige mit dem (hier) Naheliegenden und mache also einen Arbeits-Urlaub. Sowieso: ich bin ja überhaupt nicht der „Typ-Strandurlaub“, also ganztags in der Sonne schmoren mit kurzen Meeresabkühlungsunterbrechungen; Berge dagegen sind wunderschön anzusehen, aber einen (Mehr)Tausender besteigen, muss auch nicht so wirklich sein - da lobe ich mir doch die ganzen-halben Sachen und besteige morgen am Tag nach dem Konzert zusammen mit meiner Mutter den 444ger Bus zur „Auronzo-Hütte“, genieße auf (recht ebenen) Höhenwegen spazierend das Panorama der „Tre Crime“ und fahre dann gepflegt wieder herunter.
Dagegen wird das Konzert heute physisch wie emotional sehr anstrengend: die fünf Sätze von Mahlers 7ter Sinfonie durchwandernd(-spielend) beschreiben, wie unser Chefdirigent Michael Francis in den Proben erläuterte, wohl ein ganzes Menschenleben- von der Selbstfindung und -dazugehörigen -zweifeln im ersten Satz, zur Betrachtung der Natur und dem Leben im Nächsten, dem sich Stellen der ureigensten Ängste und Phobien, ja auch dem Tod (als grotesker Walzer) im Dritten Satz, zu allem menschlichen Streben und Sehnen, nämlich nach der ewigen und unsterblichen Liebe (seine Gattin Alma!) im Vierten und vorletzten Satz und letztlich zur (rückwirkenden) Betrachtung seiner Selbst als Komponist im großen Kontext der Meister seit Bach, Mozart, Beethoven und natürlich Wagner mit immer wieder rezitierendem Meistersinger-Motiv, versucht Mahler aber auch eine übergeordnete Aussage der einigenden und verbindenden Kräfte der Musik, der Kunst, darzustellen.

Puh- ich möchte immer zu viele Informationen in einem Satz unterbringen, also hier lieber umgekehrt mehr gänzlich als halbherzig.
Ach, Stichwort ❤️: natürlich möchte ich es nicht versäumen Ihnen, liebes allerbestes Publikum, mit uns zeitgleich eine wunderbare Spielzeitpause und einen erholsamen Sommer zu wünschen! Ich freue mich sehr, wie auch das ganze Orchester, Sie wieder gesund, hörbegeistert und euphorisch, zu unserem Saisonauftakt mit vier spannenden Konzerten Anfang September, zu begrüßen: https://www.staatsphilharmonie.de/de/programm/10-07-2026/auftakt
Viele liebe Grüße mit der Cellohand winkend und dem Urlaubsbein fortschreitend…
Ihre Rut Bántay

P.s.: Liebe Catharina, das wird doch mal ein überdimensionales Ständchen von Deinem Lieblings-Orchester…? Alles Liebe und Gute zum Ehrentag, wie schön, dass Du uns besuchst! 🎶



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