Ein Ständchen für den Meister
- Rut Bantay
- 20. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. März

Im Jahr 2010 begann der in Boston aufgewachsene Cellist Dale Henderson in New York Bachs Suiten für Cello Solo in U-Bahn Stationen zu spielen. Er war überzeugt davon, dass der Rückgang des Publikums für klassische Musik vor allem darauf zurückzuführen ist, dass viele Menschen nie die Gelegenheit hatten und haben, diese Musik live und hautnah zu erleben und er sah in Bach den idealen Botschafter für seine Idee der Kunstform. Da er das Erlebnis als wirkungsvoller empfand, wenn Geld keine Rolle spielt, lehnte Henderson Spenden ab und verteilte stattdessen kostenlose Postkarten an sein Publikum. Auf diesen erklärte er, dass er damit den Grundstein für zukünftige Generationen von Klassikliebhabern legen wolle. Seine Initiative, die er „Bach in the Subways“ nannte und an Bachs Geburtstag am 31.März initiierte, stieß bei seinem Publikum, anderen Musikern und den Medien auf große Resonanz. In den darauffolgenden Jahren beteiligten sich immer mehr Instrumentalisten und 2013 schlossen sich bereits 40 Musiker in New York, sowie in drei weiteren US-amerikanischen Städten und Montreal der Initiative an. Zu Bachs 329. Geburtstag im Jahr 2014 brachten 77 Musiker in acht US-amerikanischen Städten sowie in Städten in Kanada, Deutschland und Taiwan Bachs Musik in die Welt. Im Laufe des folgenden Jahres verbreitete sich die „Bach in the Subways“-Bewegung weltweit. Hendersons Initiative inspirierte unzählige Gleichgesinnte überall, und zu Bachs 330. Geburtstag im Jahr 2015 boten tausende Musiker in 150 Städten und 40 Ländern Bachs Musik kostenlos der Öffentlichkeit an – in U-Bahn-Stationen, Bahnhöfen, an Straßenecken, in Cafés, Einkaufszentren, Restaurants, Zoos und bei Konzerten, die für alle zugänglich waren. 2016 wurde „Bach in the Subways“ auf mehrere Tage ausgedehnt, um Musikern erneut die Teilnahme an einem Wochenende zu ermöglichen. Seitdem vereinen sich jedes Jahr zu Bachs Geburtstag Musiker weltweit, um Menschen mit seiner Musik zu verbinden. Auf Initiative unseres Kollegen in den zweiten Violinen, Daniel Kroh, schließen wir uns dieser „Konzert-Bewegung“ schon seit einigen Jahren an und spielen seither, zunächst noch im damaligen Rathauscenter(!), nun in der Ludwigshafener Rhein-Galerie, dem größten Einkaufszentrum der Stadt, Ende März in einer wechselnden Kammerorchester-Besetzung einige Sätze von Johann Sebastian Bach, zumeist aus seinen Orchestersuiten, Solokonzerten oder auch Gesangs-Arien, haben wir ja auch eine Sopranistin mit an Bord.
Morgen ist es wieder soweit: diesmal recht früh, genau 10Tage vor des Meisters 341.Geburtstag, bringen wir ihm um 13Uhr wieder im Erdgeschoss der Rhein-Galerie am dortigen Brunnen ein Ständchen. Ja, natürlich ist für uns Musiker dieser Ort als „Konzertsaal“ ziemlich ungewöhnlich, um nicht zu sagen richtig gewöhnungsbedürftig, denn selbstverständlich herrscht dort lebendiger Einkaufstrubel, Leute flanieren, unterhalten sich, Kinder rennen vorüber… dennoch entsteht eine wunderschöne Verweil-Atmosphäre unter denen, die stehenbleiben und uns zuhören mögen und auch ich kann trotz der wirklich anderen Situation, Bachs meisterhafte Musik genießen beim Spielen. Das mag einerseits vielleicht auch daran liegen, dass wir als Staatsphiharmonie Rheinland-Pfalz einfach ein „zu großes“ Orchester sind und daher eher selten Werke aus der Barockzeit aufführen, aber sicher doch entsteht der Zauber von ganz alleine, denn jeden, ob Musiker oder nicht, spricht Bachs Musik direkt an, lässt uns erahnen und durch die Klänge durchhören, dass es doch eine größere Kraft auf dieser Welt geben muss, dass so Verbindung, Verständnis und Versöhnung in Noten übersetzt, klingt.
Der Initiator schreibt selbst über seine Bewegung:
„Im Kern ist „Bach in the Subways“ eine Einladung. Eine Einladung an Musiker, auf ungewöhnlich direkte und offene Weise mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten. Eine Einladung an das Publikum, vor allem an die vielen Menschen, die sonst nie mit klassischer Live-Musik in Berührung kämen, die Magie einer Kunstform zu erleben, die vom Mainstream abgekoppelt ist, durch das reine Erlebnis von Musiker und Publikum [als Zwigespräch]…“
Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf morgen und auf das Geburtstagskind Bach und auf Sie!
Herzlichst,
Ihre Rut Bántay
P.s.: Die Fotos und Videoschnipsel hier sind von letztem Jahr, aber gerne aktualisiere ich dann später noch und füge vom morgigen Konzert Weiteres an.


Hm, leider will der Videoschnipsel nicht so wie ich will, daher hier als Link zu YouTube zum Ansehen; ich finde gerade dieser Ausschnitt bringt so schön die Atmosphäre und aber auch das Anliegen von „Bach in the Subways“ rüber…



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