Erfolgsgeschichten
In diesen Tagen haben sich hervorragende Ereignisse zugetragen: wir freuen uns unglaublich für zwei unserer aktuellen Akademisten, die sich in den beiden vergangenen Wochen feste Stellen in namhaften🤩😅😎 Orchestern erspielt haben: Unser Kontrabass-Akademist wird in Kürze die Nachfolge auf der Tutti-Stelle von Orchester-Original Joachim Stever antreten: David hatte sich vor ein paar Tagen in einem sehr spannenden und von hohem Niveau geprägtem Probespiel in unserem Probesaal gegen 17 weitere Konkurrenten durchgesetzt. Herzliche Glückwünsche, David Dominguez Vargas und wie schön, dass Du uns also erhalten bleibst! Obwohl wir Celli uns für unseren noch recht neuen Akademisten Andre Freire natürlich ebenso sehr freuen, bedauern wir dennoch gleichzeitig, dass sein Probespielerfolg, - er wird die Stellvertretende Solo-Stelle der Celli am Landestheater in Detmold antreten-, bedeutet, dass er seine gerade erst begonnene Spielzeit hier in Ludwigshafen voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder beenden wird. Dennoch wollte ich also „last minute“ nutzen, um Ihnen, liebes Publikum, beide Stipendiaten unserer Akademie noch vorzustellen: den einen werden sie dann nahtlos weiter im Orchester sehen, den anderen, Andre Freire, noch einige Wochen in den Reihen der Celli. Er hat mir einen persönlichen Lebenslauf geschickt und im Weiteren zudem, wie ich finde, phantastisch meine Fragen an ihn beantwortet:

Ich bin Andre Freire, gebürtig aus Brasilien. Musik war seit jeher ein großer Teil meines Lebens. Ich komme aus einer Musikerfamilie und meine Eltern arbeiten unter anderem in der musikalischen Früherziehung. Mein Vater hat Kurse mit Andrea Apostoli, dem konzertpädagogischen Berater der Staatsphilharmonie, als beide noch sehr jung waren, zusammen besucht. (Wie klein ist die Welt!) Das heißt, seit ich ein Baby war, waren wir immer wieder in Konzerten.
Ich habe sehr früh Geige angefangen zu spielen, aber meine Eltern haben schnell bemerkt, dass ich lieber im Sitzen spielen sollte: Ich war einfach zu unruhig, um im Stehen zu spielen. Ich glaube, dass es eine gute Entscheidung gewesen ist.😅
In Brasilien habe ich an verschiedenen Festivals teilgenommen; ungefähr mit 15 habe ich mich dann entschieden, Musiker werden zu wollen. Im gleichen Jahr bin ich nach Schweden gegangen, um dort zwei Jahre zu verbringen, zu lernen und viel in Jugendorchestern zu spielen: dort habe ich mich endgültig in die Musikwelt „verliebt“.
Danach kehrte ich wieder zurück nach Brasilien und habe meinen Bachelor abgeschlossen, war daraufhin Akademist beim Orquestra Filarmônica de Minas Gerais, bevor ich 2022 nach Deutschland gekommen bin, um in Münster bei Prof. Matias de Oliveira Pinto weiter zu studieren.
Im Oktober 2023 gewann ich mein erstes Probespiel, einen Zeitvertrag im Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm. Dort habe ich viel gelernt und eine sehr gute Zeit gehabt. Bis Anfang 2025 konnte ich dort viel Oper spielen und den Orchesterberuf noch besser kennenlernen. Letzten Frühling habe ich dann beschlossen, dass es schön wäre noch in einem anderen Orchester spielen zu können und zudem noch weiter zu lernen und mich weiter entwickeln zu können; deswegen habe ich mich dann für die Akademie der Staatsphilharmonie beworben, und seit Anfang dieser Saison bin ich nun in Ludwigshafen. Meine Erfahrung ab dem ersten Tag ist so positiv, dass ich ganz sicher bin, dass es die richtige Entscheidung war, hierher zu kommen. Nun darf ich meinen Weg als Musiker und Mensch weitergehen und die Stelle des Stellvertretenden Solo-Cello am Landestheater Detmold beginnen.
Wenn Du ein Orchesterwerk wärest, welches bist Du und warum?
„Das ist eine Frage, die so schwer zu beantworten ist, dennoch mag ich es sehr, darüber nachzudenken: Am Liebsten wäre ich eine Box von 100CDs meiner liebsten Werke, aber es würde zu lange dauern, um alles anzuhören und zu erklären: Wenn ich also etwas auswählen müsste, dann wären das die "Choros no. 6" von Heitor Villa-Lobos. Diese quasi „Rhapsodie“ beinhaltet alles, was man von einem Orchester hören möchte: die Farben am Anfang verursachen bei mir Gänsehaut, die Interludien präsentieren alle Instrumente im Orchester in ihrer vollen Kraft und der mittlere Teil des Stückes enthält für mich eine der schönsten Melodien des Repertoires. Es fühlt sich für mich an, als ob man bei Sonnenaufgang am Strand Fahrrad fährt; die Luft riecht nach Meer und alles ist noch still. Erst spielen die Holzbläser diese Melodie und dann schleichen sich die Streicher mit einem zarten Klang herein. Ich habe das Stück schon einmal gespielt und es war eine große Freunde für mich: Energie, zarte Momente und eine große Verbindung zu meinem Heimatland. Ich glaube, ich erkenne mich in diesem Stück wieder. Die Staatsphilharmonie sollte das Werk unbedingt irgendwann spielen, - das muss ich Michael Francis als Tipp geben.“😎
Was war Dein Erstes Orchester-Konzert als Zuhörer und als Spieler? Welches sind Deine Erfahrungen?
„An meine Eindrücke als Zuhörer erinnere ich mich nicht mehr wirklich, weil ich noch so klein war, aber mein erstes Stück, das ich mit Sinfonieorchester mitgespielt habe, war mit 13Jahren die 8.Sinfonie von Dvorák, die ich seitdem so sehr liebe. Das Konzert fand im Nationaltheater in Brasília statt, wo ich mein erstes Sinfoniekonzert bereits als Baby gehört hatte. Danach war die Sinfonie auch das erste Stück, welches ich als Profi-Musiker in Deutschland gespielt habe in meinem ersten Sinfoniekonzert in Ulm. Ich kann mich gut errinnern, dass ich die ganzen Melodien und Harmonien als so schön für mich empfunden habe, und wie meine Mutter mir beim ersten Mal, damals als Jugendlicher geholfen hat, die Cellostimme alleine zu üben. Mein Bruder hatte ebenfalls im Orchester mitgespielt, er war aber schon ein paar Jahre älter als ich.“
Die Akademie der Deutschen Staatsphilharmonie: Du bist seit Beginn der laufenden Spielzeit bei uns und jetzt erspieltest Du Dir bereits diesen grandiosen Erfolg mit der festen Stelle als Stellvertretender Solocellist im Landestheater Detmold; was nimmst Du für Dich mit?
„Es fällt mir schwer, Ludwigshafen und die Staatsphilharmonie so früh wieder verlassen zu müssen. Hier habe ich mich schon so wohl gefühlt und ich habe ein Orchester kennengelernt, indem sich alle respektieren und bestmöglich zusammenarbeiten, um hervorragende Musik zu machen. Die Beziehung zwischen Publikum und Orchester empfinde ich als besonders herausragend. Die Kollegen der Cellogruppe haben mich von Anfang an als Teil der Gruppe wahrgenommen und mit jedem konnte ich etwas lernen: Florian und Rut waren nicht nur Inspiration, durch ihren schönen Klang und die Spielweise, die sie mir gezeigt haben, aber auch durch wichtige Impulse im Unterricht, den Berichten ihrer Erfahrung auf Ihrer Position, die sie mitgeteilt haben. Jaromir und Kristina spielen immer mit Präsizion und wirken auf mich als ruhige und besonnene Persönlichkeiten. Mit Johanna und Giulia habe ich immer eine gute Zeit gehabt beim zusammen-am-Pult-musizieren und Martin und Metchild haben mir gezeigt, dass man nach 40 Jahren im Orchester immer(noch) neugierig und begeistert von der Musik sein kann, und haben ihre vielen Erfahrungen geteilt. Zuletzt sind Noémie und Larissa die besten Akademistinnen-Kollegen, die man sich wünschen kann. Alle spielen so wunderbar und sind so liebe und inspirierende Personen. Die anderen Kollegen der Akademie waren mir ebenso sehr wichtig, trotz der recht kurzen Zeit. Ich freue mich jetzt natürlich sehr, den nächsten Schritt zu gehen, freue mich zu sehen, wieviel ich in so komprimierter Zeit hier lernen konnte. Ich werde versuchen, genauso klar und respektvoll mit meinen Kollegen zu kommunizieren und vor allem, so frei und schön zu spielen, wie der Zugvogel der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz…“❤️
Herzlichen Dank für‘s Mitmachen beim Blog und Deine warmen Worte: Dir alles erdenklich Gute auf Deinem weiteren Weg!
Können Sie noch? Ja, ich ahne, dieser Artikel wird einfach überdimensioniert und so beschließe ich hiermit, zwei Artikel zu verfassen- es handelt sich ja auch um einen Doppelerfolg! Also lesen Sie gerne weiter im zweiten Blog „Erfolgsgeschichten - Fortsetzung“.
Herzliche Grüße,
Ihre Rut Bántay

![Der Geist,
Vom Lebensdurst beflügelt,
Schwingt sich auf zum kühnen Flug
[…]
Und es hallte das Weltall
Vom freudigen Rufe
Ich bin !](https://static.wixstatic.com/media/461cbf_a9dbbec9f31e400db85fa2d2b1033b2c~mv2.jpeg/v1/fill/w_980,h_720,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/461cbf_a9dbbec9f31e400db85fa2d2b1033b2c~mv2.jpeg)
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