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Erfolgsgeschichten - Fortsetzung🍾

Autorenbild: Rut Bantay
Rut Bantay
vor 3 Minuten
6 Min. Lesezeit

Dieses Foto will ich Ihnen unbedingt anfügen, es zeigt den „Noch-Stelleninhaber“ Joachim mit seinem soeben erwählten Nachfolger David, der zugegeben zwar sehr glücklich, aber sicher auch ziemlich geschafft war nach dem rund vierstündigen Probespiel letzte Woche, welches über mehrere Runden durch die Kontrabass- und Orchesterliteratur ging:



Auch David hatte sich auf meine Anfrage sofort bereit erklärt, bei diesem Artikel mitzuwirken und genauso wie Andre, hat er wunderbare und interessante Antworten auf meine Fragen geliefert. Zunächst aber sein Lebenslauf, um ein wenig über ihn zu erfahren:

David Valentín Domínguez Vargas, geboren 2000 auf Teneriffa, begann im Alter von neun Jahren seine musikalische Ausbildung, zunächst auf dem Violoncello. (Anm. d. Red.: eine sehr gute Wahl😎) Mit 14 Jahren entdeckte er den Kontrabass für sich und begann ein Jahr später seinen Unterricht bei Alain Bourguignon am Conservatorio Profesional de Música de Tenerife, wo er 2018 seinen Abschluss machte. 2019 zog er nach London, um sein Bachelorstudium an der Guildhall School of Music & Drama in den Klassen von Prof. Luis Cabrera und Prof. Rinat Ibragimov aufzunehmen. Ermöglicht wurde ihm das Studium durch ein Vollstipendium der Guildhall School. 2023 schloss er seinen Bachelor mit Auszeichnung ab. Seit 2024 studiert er im Masterstudiengang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bei Prof. Philipp Stubenrauch.

Weitere musikalische Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei Dorin Marc, Janne Saksala, Günter Klaus, Wies de Boevé, Edicson Ruiz und Michailis Pavlo.

Seine ersten Orchestererfahrungen sammelte David von 2017 bis 2021 als Mitglied der Joven Orquesta de Canarias (JOCAN). Konzertreisen führten ihn mit dem Orchester durch die Kanarischen Inseln, das spanische Festland und nach China. 2021 nahm er an einem Orchesterprojekt der Dudamel Foundation teil, bei dem junge Musikerinnen und Musiker aus Lateinamerika und Spanien für eine Konzerttournee unter der Leitung von Gustavo Dudamel zusammenkamen. Im selben Jahr spielte er mit dem NDR Jugendsinfonieorchester bei Konzerten in Hannover und Hamburg das erste Mal in einem Orchester in Deutschland. 2023 und 2024 war er Mitglied des Schleswig-Holstein Festival Orchestra und spielte dort unter Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Michael Sanderling und Andris Poga. 2025 wurde er erneut eingeladen, um gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern des Festivalorchesters bei einem besonderen Konzert in Rendsburg anlässlich des 85. Geburtstags von Christoph Eschenbach mitzuwirken.

Seine ersten professionellen Orchestererfahrungen machte er 2019 beim Orquesta Sinfónica de Tenerife. Seit seinem Umzug nach Deutschland spielte er zudem regelmäßig als Aushilfe beim Staatsorchester Stuttgart und war unter anderem auch bei der Bodensee Philharmonie tätig. Seit September 2025 ist David Stipendiat der Akademie der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Er erhielt verschiedene Stipendien und Förderungen, darunter das Binter-Stipendium der JOCAN, eine Förderung der Royal Philharmonic Society sowie seit 2020 ein Stipendium der Carin-Riese-Stiftung in Stuttgart.



Im weiteren nun Davids Antworten zu meinen Fragen:


  1. Wenn Du ein Orchesterwerk wärest, welches bist Du und warum?

    „Ich würde „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss wählen. Nicht, weil ich mich selbst als Held sehe, sondern weil meine Eltern für mich immer meine größten Helden waren.

    Mein Vater ist mittlerweile 86 Jahre alt. Während der Franco-Diktatur ist er nach Venezuela ausgewandert und kurz vor meiner Geburt sind meine Eltern wieder nach Spanien zurückgekehrt. Beide haben in ihrem Leben unglaublich viel durchgemacht und immer hart gearbeitet, damit meine Schwester und ich eine gute Ausbildung bekommen konnten. Meine Mutter zum Beispiel lebt und arbeitet seit zwei Jahren in Österreich. Auch für sie war es nicht einfach, in einem anderen Land noch einmal neu anzufangen und Deutsch lernen zu müssen. Ich glaube, ohne die Opfer, die meine Eltern für uns erbracht haben, wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

    Was ich an dem Werk auch interessant finde, sind die Kritiker und die ganzen Hindernisse, mit denen sich der Held auseinandersetzen muss. Das erinnert mich ein bisschen an meine Jugend auf Teneriffa. Als ich angefangen habe, Musik ernsthaft zu studieren, gab es immer wieder Leute, die das nicht wirklich verstanden haben. Ich habe oft Sachen gehört wie: „Du studierst Musik, und was machst du sonst noch?“ oder „…damit hast du doch keine Zukunft.“

    Dazu kommt, dass Teneriffa ziemlich weit weg von den großen Musikhochschulen in Europa liegt. Für mich war es deshalb schon eine große Herausforderung, überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, im Ausland zu studieren. In meinem letzten Jahr am Konservatorium bin ich nach England, Holland und Italien geflogen, um verschiedene Professoren kennenzulernen. Und bevor ich mein Bachelorstudium in London angefangen habe, bin ich ungefähr sieben Monate lang alle drei Wochen nach London geflogen, nur um dort zwei Tage Unterricht zu haben und dann wieder zurück nach Teneriffa zu fliegen. Damals habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht, aber rückblickend war das schon ziemlich verrückt.

    Ein weiterer Grund, warum ich dieses Stück wählen würde, ist unser Konzert im Januar mit der Staatsphilharmonie im Pfalzbau gewesen. Das war für mich eines der schönsten Konzerte, die ich bisher erlebt habe. Ich weiß noch, dass ich während des Konzerts immer wieder dachte, dass sich das alles irgendwie wie ein Traum anfühlt. Als ich auf Teneriffa angefangen habe, Kontrabass zu spielen, war mein erster Lehrer Mitglied des Sinfonieorchesters von Teneriffa. Ich habe ihn damals sehr bewundert und wollte unbedingt irgendwann selbst in einem professionellen Orchester spielen. Wenn ich heute daran denke, dass ich tatsächlich in Deutschland lebe und in einem Orchester spielen darf, ist das für mich manchmal immer noch schwer zu glauben: Deshalb passt „Ein Heldenleben“ für mich irgendwie sehr gut. Nicht, weil ich etwas besonders Heldenhaftes gemacht hätte, sondern weil mich das Stück an meine Eltern, meinen Weg von Teneriffa nach Deutschland und an all die Dinge erinnert, von denen ich früher nur geträumt habe.“


  2. Was war Dein Erstes Orchester-Konzert als Zuhörer und als Spieler? Welches sind Deine Erinnerungen?

    „An mein allererstes Orchesterkonzert als Zuhörer kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr genau erinnern. Aber es war bestimmt eines von dem Sinfonieorchester von Teneriffa. Besonders gut erinnere ich mich an ein Konzert, bei dem die 11. Sinfonie von Schostakowitsch gespielt wurde. Die Musik war so intensiv, dass ich am Ende der Aufführung erst einmal richtig sprachlos war.

    An meinem ersten Konzert als Musiker wirkte ich mit dem Orchester meiner Musikschule mit, als ich noch Cello gespielt habe. Ehrlich gesagt erinnere ich mich genauer daran kaum noch, nur dass ich viel Spaß hatte!“


  3. Akademie der Deutschen Staatsphilharmonie: Du bist seit Beginn der letzten Spielzeit bei uns, und jetzt erspieltest Du Dir diesen grandiosen Erfolg mit der festen Stelle in unserer Kontrabassgruppe; was nimmst Du für Dich mit?

    „Als mir am Ende des Probespiels mitgeteilt wurde, dass ich die Stelle gewonnen habe, musste ich erstmal weinen: Ich konnte es einfach nicht glauben! Das war ein ganz besonderer Moment für mich und ehrlich gesagt, werde ich immer noch ziemlich emotional, wenn ich daran denke. Ich mochte dieses Orchester schon, bevor ich hier Akademist wurde. Meine Freundin, die früher auch Akademistin bei der Staatsphilharmonie war (Anm. d. Red.: Jiyoung Park: sie erspielte sich am Ende ihrer zweiten Spielzeit bei uns einen Zeitvertrag im Sinfonieorchester Münster/Theater Münster; herzliche Gratulation auch Dir und alles Gute für Deinen weiteren Werdegang!), hat mich im September 2024 zu einem Konzert im Pfalzbau eingeladen. Damals war ich gerade in meinem zweiten Semester in Stuttgart. Ich kannte Ludwigshafen vorher überhaupt nicht und erinnere mich noch, wie überrascht ich war, dass hier ein so tolles Orchester spielt!

    Seit ich hier bin, habe ich unglaublich viel gelernt, besonders von unserer Kontrabassgruppe. Ich habe großen Respekt vor jedem Einzelnen und finde es immer noch beeindruckend, wie gut die Gruppe zusammenspielt und wie viel Erfahrung jeder einzelne mitbringt. Ich habe sehr viel von der Spielweise der Gruppe gelernt, vor allem was den gemeinsamen Klang, das Zuhören und das Zusammenspiel angeht.

    Was ich an unserem Orchester besonders mag, ist der transparente und gleichzeitig tiefe Klang. Aber auch das Miteinander finde ich besonders. Ich glaube, das ist eine der Sachen, die ich an deutschen Orchestern so schätze: dieses Gefühl, dass man sich aufeinander verlassen kann. Man hört aufeinander, vertraut seinen Kollegen und arbeitet gemeinsam an der Musik. Für mich ist das eigentlich das Wichtigste an einem Orchester. Ebenso mag ich auch sehr, wie die Menschen hier miteinander umgehen. Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt. Außerdem habe ich hier gelernt, wie wichtig es ist, immer gut vorbereitet zu sein und schnell aufeinander zu reagieren, besonders wenn man für große Programme nur wenig Probenzeit hat. Auch das Vertrauen, das mir meine Kollegen entgegenbringen, bedeutet mir sehr viel. Dafür bin ich wirklich dankbar. Gerade weil ich so viel Respekt vor der Gruppe habe, habe ich das Probespiel sehr ernst genommen. Für mich war klar: Wenn ich hier um eine feste Stelle spiele, dann möchte ich wirklich alles geben. Ich wollte nur antreten, wenn ich mich wirklich gut vorbereitet fühle und am Ende sagen kann, dass ich alles versucht habe.

    (Anm. d. Red. auch Christoph, unser Solokontrabassist bescheinigte mir in einem Gespräch über David, dass „…David mit viel Interesse und Neugier bei uns angefangen und sehr aufmerksam beobachtet hat; dann sehr {sehr, sehr: er „wohnte“ schon bald im Übezimmer} fleißig gearbeitet hat, bis eben zum Probespielerfolg.“)

    Dass es dann tatsächlich geklappt hat, kann ich manchmal immer noch nicht ganz glauben. Ich freue mich einfach unglaublich, dass ich weiterhin mit diesen Menschen Musik machen darf!“


Oh, herzlichen Dank für diese respektvollen und herzlichen Worte! Auch wir, Dein bisheriges und auch zukünftiges Orchester freuen uns sehr, Dich nun weiter in unseren Reihen zu wissen!


Weil aller guten Dinge bekanntlich aber drei sind, möchte ich sehr gerne auch noch von dem hervorragenden Erfolg unseres neuen Dirigier-Stipendiaten Paul Breier berichten, dem als Pianist zusammen mit seinem Gesangspartner beim diesjährigen 15.internationalen Wettbewerb für Liedkunst in Stuttgart, der erste Preis zuerkannt wurde. Bravo! 💐 Anbei der Link zum Preisträgerkonzert:


Und wer klagt da manchmal über diese „schlimmen Montage“- ich finde in diesem Fall würde sich ein Wochenstart doch gar nicht besser beginnen lassen, als mit derlei (dreierlei) schönen Nachrichten!


Herzliche Glückwünsche Euch, Andre, David und Paul: wir, die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, sind stolz auf Euch!





 
 
 

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